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10.11.2021

70. Städtetag: Festredner Harry Gatterer: „Zukunft wird lokal entschieden“

Eröffnungsreden von Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Ministerin Köstinger, Gemeindebund-Präsident Riedl, Grußworte von Bundespräsident Van der Bellen verlesen

Die Eröffnung des 70. Österreichischen Städtetages in St. Pölten standen auch die weiteren Reden ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte, dass das „Zusammenstehen gerade in Zeiten von Abstand halten“, sehr wichtig sei; die Herausforderungen nähmen tagtäglich zu, national und international und es gehe darum, die Städte und Gemeinden bestens weiterzuentwickeln.“

Christian Meidlinger, Vorsitzender der Daseinsgewerkschaft – younion, sagte, „auf die Städte ist Verlass – während der Pandemie und auch jetzt.“ Und hob die Wichtigkeit der Beschäftigten, vor allem im Gesundheitsbereich – diese seien „am Limit“, aber auch in den Kindergärten und in der öffentlichen Verwaltung hervor.

Bürgermeister Alfred Riedl, Präsident des Gemeindebundes, betonte das „Managements des guten Zusammenhalts“; Städte und Gemeinden würden seit Jahren an einem Strang ziehen – Städte und Gemeinden hätten neben der Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge die Krise gut gemanagt und seien Stabilitätsfaktoren.

Landwirtschafts- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger appellierte an die Bürgermeister*innen, dass sie gerade in den nächsten Monaten sehr wichtig seien, um die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen, den 3. Stich in Anspruch zu nehmen. Es gehe in Zukunft aber auch um Themen wie etwa Raumordnung oder Flächenverbrauch und einen ressourcenschonenden Umgang mit diesen.

Bundespräsident in Grußbotschaft: „Manager*innen des guten Zusammenlebens“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich aufgrund einer Covid-Erkrankung in seinem Büro im Homeoffice befindet, ließ eine Grußbotschaft verlesen. „Also Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind Sie quasi die Managerinnen und Manager des guten Zusammenlebens“, hieß es darin. „Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtregierungen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihrer Magistrate halten Sie das Werkl in den Städten am Laufen. Danke dafür“, so Van der Bellen.

Festredner Harry Gatterer appellierte an Eigenverantwortung und Offenheit

Zukunftsforscher Harry Gatterer hielt in seinem Festreferat fest, dass „wir der Zukunft wieder das Schöne zurückgeben“ müssten, das durch die Pandemie abhandengekommen sei. Es gehe aber auch darum, „was Zukunft ist“. Zukunft sei nicht zu verwechseln mit Inhalten, wie beispielsweise Technologie; Zukunft sei ein „Zustand, der noch nicht ist“. Nachhaltigkeit habe sich etwa „als Zukunft angeboten“ – das Thema hätte bereits mit der Raumfahrt begonnen, als Astronaut*innen über den Planeten berichteten; jetzt gebe es die „Fridays for Future“-Bewegung, bei der Zukunft in Verbindung mit einer Generation stehe.  Und Ökologie stehe nun mit Geld in Verbindung; ein Investment müsse jetzt ökologisch sein.  Zudem sei Technologie „Gegenwart“ und bereits Alltag, sie werde „plötzlich genutzt“. Es gelte aber auch, die Welt in all ihren „Vernetzungen wahrzunehmen“.

Außerdem sei „Zukunft lokal“, sie habe „immer mit den Menschen zu tun“, mit sozialer Konstruktion, zum Beispiel in einer Firma oder in einem „Grätzl“. Und eben auch mit den Bürgermeister*innen, die vor Ort Entscheidungsfähigkeit beweisen müssten.

Der Zukunftsforscher sprach von „drei Inseln“, in die sich Menschen einteilen ließen – so jedenfalls das Ergebnis einer Studie mit 3.000 tiefenpsychologischen Interviews: die „Ich-Insel“, in der es um Individualisierung des Erfolgs oder der Karriere geht; der „konservativen Wir-Insel“, die von alten Mustern geprägt sei und der „wachsenden Insel“ – das progressive „Wir“-Gefühl, die Kultur des Dialogs, das Bilden einer Gemeinschaft. Als Beispiel dafür nannte er das Thema Stadtentwicklung und auch Co-Working, Co-Living oder Sharing in der Frage der Mobilität, die in Zukunft mehr Bedeutung erlangen würden.

Abschließend betonte Gatterer, es gehe vor allem auch darum, „welches gestalterische Miteinander, welche Art von Zukunft“ es gebe. Und: „Zukunft wird lokal entschieden“.

Er warnte davor, Angst zu viel Raum zu geben. Sein Appell: „haben Sie keine Angst, bleiben Sie flexibel, bleiben Sie offen“. Denn Sicherheit sei nicht durch Planbarkeit zu erlangen, sondern durch Eigenverantwortung, Flexibilität und Offenheit gegenüber dem, was kommt.

Fotos zum Download unter: www.markuswache.com/archiv/staedtetag2021 (Fotocredit: Markus Wache/markuswache.com)

 

#staedtetag2021

 

Weitere Informationen: www.staedtetag.at oder www.staedtebund.gv.at


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